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3. Strecke Hannover - Hamburg/Bremen ("Y-Trasse")
3.1 Kurzbeschreibung
Statt Bau der Neubaustrecke
Hannover - Hamburg/Bremen in teilweiser freier (= "querfeldein") und
zudem umwegereicher Trassierung über Visselhövede - Lauenbrück wie im
Bundesverkehrswegeplan 2003 vorgesehen Bau der Strecke auf direktem Weg bis
Hamburg-Harburg in Bündelung mit der Autobahnen A 7. Gegebenenfalls zunächst
Verzicht auf Bau eines Streckenastes in Richtung Bremen.
3.1.1 Ziele
·
Verkürzung der Fahrzeit Hannover - Hamburg um ca. 25 min [=
33 %] von heute 1 h 15 min auf zukünftig ca. 50 min
·
Verkürzung der Entfernung Hannover - Hamburg um 26 km [= 15
%] von heute 178 km auf zukünftig ca. 152 km
·
Erzielung eines ca. 70 % höheren Fahrzeitgewinns im
Vergleich zum BVWP (25 Min statt 15 Min)
·
Erhöhung der Streckenkapazität insbesondere zwischen
Hannover und Hamburg durch vollständige Trennung von Nah- und Fernverkehr
·
Vermeidung der Bildung eines neuen Engpasses zwischen Bremen
und Hamburg, wie es die Planung des BVWP zur Folge hätte
·
Vermeidung weiterer Landschaftszerschneidungen im Bereich
der westlichen Lüneburger Heide
·
Wirtschaftlicherer Mitteleinsatz durch Erzielung eines
deutlich höheren Gesamtnutzens bei nur mäßig höheren Baukosten
·
Gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt Verkürzung der
Fahrzeit Hannover - Bremen um 15 min [= 25 %] von heute 60 min auf zukünftig
ca. 45 min durch Bau eines (eingleisigen) Streckenastes in Richtung Bremen.
Gleichzeitig Erweiterung der Streckenkapazität in Richtung Bremen
3.1.2 Variantenvergleich
Vergleicht man die Planung der
Neubaustrecke Hannover - Hamburg/Bremen des BVWP 2003 mit einer denkbaren
Alternativvariante auf direktem Weg entlang der Autobahn A 7, so ergeben sich
bei letzterer Variante naturgemäß deutlich größere Fahrzeitverkürzungen. Durch
die weitere Verminderung der zu fahrenden Entfernungen, die Schaffung einer
fast durchgehend neuen Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg und die
Umfahrung weiterer Ortschaften sowie ungünstig trassierter
Altstreckenabschnitte wäre so ein zusätzlicher Fahrzeitgewinn von mind. 10 min
möglich.
Des weiteren würden durch Bau
einer Neubaustrecke Hannover - HH-Harburg die bestehenden Kapazitätsengpässe
wesentlich besser behoben als bei Realisierung der Variante des BVWP, da so
durchgehend zwei zusätzliche (und vom vorhandenen Streckennetz unabhängige)
Gleise zwischen Hannover und Hamburg zur Verfügung stehen würden. Demgegenüber
hätte der Bau einer Neubaustrecke von Hannover zur Strecke Bremen - Hamburg nur
eine Verlagerung der Kapazitätsengpässe auf die Strecke Bremen - Hamburg zur
Folge, die dann ab der Einmündung der NBS bei Lauenbrück sowohl die Züge aus
Bremen als auch aus Hannover aufnehmen müsste. [Belegung der Strecke ab
Lauenbrück durch Fernzüge der Relationen Ruhrgebiet - Bremen - Hamburg und
München/Frankfurt - Hannover - Hamburg sowie Züge verschiedener
Nahverkehrslinien und des Güterverkehrs Ruhrgebiet - Hamburg.]
Aufgrund des verhältnismäßig
geringen Nutzens des Bremer Streckenastes der Y-Trasse (Beschleunigung von nur
1/2 ICE - Linie) kann eine Verwirklichung des Projektes in Baustufen erfolgen
bzw. kann auf den Bau eines Abzweigs nach Bremen ggf. auch ganz verzichtet bzw.
dieser zu einem späteren Zeitpunkt gebaut werden:
1. Stufe: NBS Hannover -
Hamburg-Harburg [120 km Länge],
2. Stufe: ggf. Bau eines
(eingleisigen) Abzweigs in Richtung Bremen [35-40 km Länge].
3.1.3
Variantenvergleich - Tabelle
|
|
Ist-Zustand
|
BVWP 2003 |
Alternative |
|
|
|
|
|
|
Fahrzeit Hannover - Hamburg |
75 min |
60 min |
50 min |
|
Fahrzeit Hannover - Bremen |
60 min |
50 min |
45 min |
|
Entfernung
Hannover - Hamburg |
178 km |
163 km |
152 km |
|
Entfernung Hannover - Bremen |
122 km |
125 km |
120 km |
Streckenlänge |
|
92 km Neubau + 22 km Ausbau |
121 km
Neubau + 35 km eingl. Neubau |
|
Baukosten 1. Baustufe |
|
1,3 Mrd
EUR |
1,5 Mrd
EUR |
|
Baukosten 1. und 2. Baustufe |
|
1,3 Mrd
EUR |
1,9 Mrd
EUR |
3.1.4 Skizze

Die
farbigen Linien stellen die Planungen des BVWP 92 / 2003 dar; die
eingezeichnete gestrichelte Linie die Alternativplanung [Quelle
Karte: BMVBW]
Abbildung vergrößern Zeichenerklärung
3.2.1 Ausgangslage
Die Strecke Hannover - Hamburg
weist sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr ein hohes Verkehrsaufkommen auf.
Sie verbindet die zweitgrößte Stadt Deutschlands, Hamburg, sowie
Schleswig-Holstein und darüber hinaus die skandinavischen Länder mit Hannover
(Niedersachsen), Hessen und dem gesamten süddeutschen Raum. Im Fernverkehr
spiegelt sich das in der Einbindung in zahlreiche IR/IC/ICE-Linien wieder (z.
Zt. ca. 3 Züge pro Stunde und Richtung):
1. Hamburg -
Hannover - Kassel - Würzburg - Nürnberg - Ingolstadt - München
2. Hamburg -
Hannover - Kassel - Frankfurt - Mannheim - Stuttgart - München
3. Hamburg -
Hannover - Kassel - Frankfurt - Mannheim - Karlsruhe - Freiburg - Basel
Im Nahverkehr wird die Strecke
Hannover - Hamburg ebenfalls von zahlreichen Regionalexpress- und
Regionalbahnlinien genutzt. Aufgrund der unterschiedlichen
Fahrgeschwindigkeiten Nahverkehr/Fernverkehr führt dies hier jedoch zu
Einschränkungen (Erfordernis von Überholungen, kaum noch Möglichkeiten zu
Taktverdichtungen).
Auch im Güterverkehr ist die
Strecke von großer Bedeutung (Verbindung Süddeutschland - Rangierbahnhof
Maschen, Hamburg, Hamburger Häfen, Skandinavien). Aufgrund der nicht
ausreichenden Streckenkapazität kommt es hier ebenfalls zu Einschränkungen.
Historisch bedingt ist die Strecke
Hannover - Hamburg eine der Bahnstrecken mit dem größten Umweg im Streckennetz
der Deutschen Bahn. Gegenüber der Luftlinienentfernung (Hbf. - Hbf.) von ca.
130 km und der Autobahnentfernung von ca. 150 km beträgt die Entfernung mit der
Bahn über Celle, Uelzen und Lüneburg fast 180 km. Trotz längerer 200 km/h -
Abschnitte erzwingt dieser Umweg für die vergleichsweise kurze Distanz Hannover
- Hamburg eine Fahrzeit selbst des ICE von deutlich über einer Stunde.
Die Strecke Hannover -
Hamburg im Vergleich mit anderen Verbindungen
|
Verbindung |
Fahrzeit |
Luftlinienentfernung
[tatsächl. Fahrstrecke] |
Reisegeschwindigkeit |
|
|
|
|
|
|
Hannover - Hamburg |
1 h 15
min |
130 km
[178 km] |
110 km/h |
|
Hannover - Hamburg |
1 h 00
min (BVWP 03) |
130 km
[163 km] |
130 km/h |
|
Berlin - Leipzig |
1 h 00
min |
150 km
[168 km] |
150 km/h |
|
Hannover - Berlin |
1 h 30
min |
240 km
[255 km] |
160 km/h |
|
Berlin - Hamburg |
1 h 35
min |
250 km
[286 km] |
160 km/h |
|
Hannover - Hamburg |
50 min (Alternative) |
130 km
[152 km] |
160 km/h |
|
[Hannover
- Hamburg |
45 min (Alternative) |
130 km
[152 km] |
170 km/h] |
|
Hannover - Göttingen |
32 min |
90 km
[99 km] |
170 km/h |
|
Hannover - Würzburg |
1 h 45
min |
290 km
[327 km] |
170 km/h |
|
Paris - Lille |
1 h 00
min |
200 km
[225 km] |
200 km/h |
|
Paris -
Marseille |
3 h 00
min |
660 km
[750 km] |
220 km/h |
Sämtliche Fahrzeiten bei Fahrt ohne
Zwischenhalt. Werte teilw. gerundet.
3.2.2 Die bisherige Planung im
Vergleich zu denkbaren weitergehenden Ausbaumaßnahmen
Der BVWP
2003 sieht zwischen Hannover und Hamburg/Bremen den Bau einer ca. 90 km langen
Neubaustrecke mit einem Investitionsvolumen von ca. 1,3 Mrd EUR vor.
Die
Strecke soll von Hannover-Langenhagen (Isernhagen) bis Lauenbrück verlaufen, wo
Verknüpfung mit der Hauptstrecke Bremen - Hamburg in Richtung Hamburg erfolgen
soll. Zuvor gibt die Strecke einen Ast zur Strecke Uelzen - Bremen für Züge in
Richtung Bremen ab. Zwischen Hannover und Hamburg würde sich so ein
Fahrzeitgewinn von ca. 15 min, zwischen Hannover und Bremen von ca. 10 min
ergeben. Auch würde so die Strecke Hannover - Hamburg wirksam entlastet, so
dass hier Platz für zusätzliche Nahverkehrs- und Güterzüge wäre. Die
Streckenlänge Hannover - Hamburg wäre um ca. 15 km kürzer, die Streckenlänge
Hannover - Bremen ca. 3 km länger als heute.
Zu
Bedenken ist bei dieser Planung jedoch, dass durch die Verlagerung des Verkehrs
Süddeutschland - Hannover - Hamburg auf die Strecke Ruhrgebiet - Bremen -
Hamburg hier einer neuer Kapazitätsengpass entstehen würde, da die Strecke
Bremen - Hamburg dann sowohl die Züge der Relation Ruhrgebiet - Bremen -
Hamburg als auch die Züge der Relation Süddeutschland - Hannover - Hamburg
aufnehmen müsste. [Belegung der Strecke durch dann bis zu 4 ICE Züge je Stunde
und Richtung sowie Züge verschiedener Linien des Nahverkehrs und eines Teils
des Güterverkehrs Ruhrgebiet - Rangierbahnhof Maschen / Hamburg / Hamburger
Häfen / Skandinavien.]
Damit
würde die Entlastung der Strecke Hannover - Hamburg durch eine Belastung der
Strecke Bremen - Hamburg erkauft, verbunden mit dem Nachteil, das dann nur noch
eine Strecke [statt vorher zwei] neben anderen Zugleistungen den gesamten
ICE-Verkehr von und nach Hamburg aufnehmen müsste.
Hierzu mag
auch folgender Kommentar aus den offiziellen Planungsunterlagen zur Y-Trasse
des BVWP aufschlussreich sein [zitiert nach dem Bundesverband
Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. / Bürgerinitiative Y-Nein.de]:
Es wird
festgestellt: "Insgesamt zeigen sich in der Variante 1 nur sehr begrenzte
Möglichkeiten für eine Integration einer stündlichen Regionalverkehrslinie,
[...] Insgesamt zeigt sich also, dass gravierende Fahrplanausschlüsse
auftreten. Dies unterstreicht, dass - [...] - ein viergleisiger Ausbau
insbesondere des Abschnitts Lauenbrück - Buchholz zu fordern wäre."
Ebenso aufschlussreich mögen einige Zitate aus der Studie „Ertüchtigung
des norddeutschen Eisenbahnnetzes für den
wachsenden Schienengüterverkehr“ sein [Siefer / Kollenberg, Institut für
Verkehrswesen, Eisenbahnbau und -Betrieb, Universität Hannover 2007]:
Im Kapitel zur Y-Trasse heisst es
dort: „Die Realisierung der Y-Trasse wird sich durch die
beschriebenen Konflikte in den Bereichen Lauenbrück und Buchholz sogar negativ
auf den Güterverkehr zwischen Hamburg und Bremen bzw. Hamburg und dem
Ruhrgebiet auswirken können“ und zur Anbindung Hamburger Hafen: „Die Nutzung
der Y-Trasse ist erst nach Fahrt über ca. 50 km auf vorhandenen Strecken
möglich, die bereits eine durchschnittliche Belastung aufweisen. D. h. eine
echte Kapazitätserhöhung ist nicht gegeben.“
Zusammenfassend wird in der Studie
u. a. konstatiert:
„Wie in der Studie gezeigt
wird, verbindet die Y-Trasse nicht Eisenbahnknoten miteinander, sondern vorhandene
Verbindungsstrecken zwischen den Knoten. Hierdurch werden weitaus geringere
neue Kapazitäten geschaffen, als wenn die Knoten selbst direkt miteinander
verbunden würden“ und weiter
„Die durchgeführten
Untersuchungen der derzeitigen Streckenbelastungen und die zu erwartende
Nachfragesteigerung führen zu dem Ergebnis, dass die vorgesehene Y-Trasse und
der dreigleisige Ausbau der Strecke Hamburg – Hannover im Abschnitt Stelle –
Lüneburg nicht zu der notwendigen Kapazitätssteigerung für den Güterverkehr
führen“ sowie
„Um mit der
Y-Trasse weitere Kapazitätssteigerungen für den Güterverkehr zu erzielen, sind
der Ausbau des Abschnittes Lauenbrück – Buchholz von drei auf vier Gleise und
im Raum Isernhagen eine Verbindung zur Strecke Celle – Lehrte notwendig.“
Im
Gegensatz zur Planung der Y-Trasse in der derzeitigen Form verspricht
demgegenüber der Bau einer durchgehenden Neubaustrecke in Bündelung mit der
Autobahnen A 7 bis Hamburg-Harburg wesentliche Vorteile:
·
Durch die weitere Verminderung der zu fahrenden
Entfernungen, die Schaffung einer fast durchgehend neuen Bahnstrecke zwischen
Hannover und Hamburg (bzw. Hannover und Bremen) und die Umfahrung weiterer
Ortschaften sowie ungünstig trassierter Altstreckenabschnitte sind 50 - 70 %
größere Fahrzeitverkürzungen möglich als bei der Variante des BVWP. So würde
sich z.B. die Fahrzeit Hannover - Hamburg von heute 75 min auf dann nur noch
ca. 45 min - 50 min verkürzen lassen.
·
Durch das Führen der Strecke von Hannover bis
Hamburg-Harburg würde sich eine wesentlich bessere Entlastung des bestehenden
Streckennetzes erreichen lassen als wenn die Strecke auf halber Entfernung in
die Strecke Bremen - Hamburg einmünden würde. (Vollständige Trennung von
ICE-Verkehr einerseits und übrigen Verkehr andererseits von und nach Hamburg,
keine bloße Verlagerung des Kapazitätsengpasses von der Strecke Hannover -
Hamburg auf die Strecke Bremen - Hamburg.)
·
Durch die Möglichkeit der durchgehenden Bündelbarkeit mit
vorhandenen Verkehrswegen wären keine weiteren Landschaftszerschneidungen im
Bereich der westlichen Lüneburger Heide notwendig.
·
Durch die weitere Streckenverkürzung und durch eine stärkere
Homogenisierung der Fahrgeschwindigkeiten würde sich ein geringerer Energieverbrauch
im Zugbetrieb ergeben als bei der Variante des BVWP 2003.
·
In einer zweiten Baustufe sind durch Bau eines ca. 35 km
Streckenastes in Richtung Bremen auch hier hohe Fahrzeitverkürzungen möglich.
In Abhängigkeit der kapazitativen Erfordernisse kann dieser ggf. eingleisig,
ggf. aber auch zweigleisig und/oder über Langwedel hinaus ausgelegt werden.
·
Es sind keine nachträglichen Zusatz- oder
Korrekturinvestitionen zwischen Bremen und Hamburg wie ein weiterer Ausbau des
Abschnitts Lauenbrück - Buchholz notwendig.
Darüber
hinaus könnten bei Bau einer durchgehenden Neubaustrecke die Städte Walsrode,
Fallingbostel und Soltau besser an die Strecke angebunden werden als es bei Bau
der Variante des BVWP ´03 der Fall wäre. (Möglichkeit der Einrichtung einer
schnellen Regionalverkehrsverbindung Hannover-Hbf - Langenhagen - (NBS) -
Walsrode - Fallingbostel - Dorfmark - Soltau - (NBS) - Hamburg-Harburg -
Hamburg-Hbf; etwa ähnlich wie zwischen Nürnberg und Ingolstadt und weiter nach
München über die NBS Nürnberg - Ingolstadt ab Ende 2006.)
Des
weiteren würde sich im nächtlichen Güterverkehr eine deutliche Verkürzung der
Fahrstrecke und -zeit sowie eine Lärmentlastung der Anwohner an der bestehenden
Altstrecke erreichen lassen.
Aufgrund
des verhältnismäßig geringen Nutzens des Baus eines Streckenastes in Richtung
Bremen (zur Zeit verkehrt hier nur alle 2 Stunden ein ICE) könnte - wie oben bereits beschrieben - eine Verwirklichung des Projektes in
Baustufen erfolgen bzw. kann auf den Bau eines Abzweigs in Richtung Bremen ggf.
auch ganz verzichtet werden:
1. Stufe: Neubaustrecke Hannover -
Hamburg-Harburg [ca. 120 km Länge],
2. Stufe:
ggf. Bau eines (eingleisigen) Abzweigs in Richtung Bremen [ca. 35-40 km Länge].
Damit wäre
in einer ersten Baustufe im Vergleich zur Planung des BVWP 2003 nur der Bau von
knapp 30 km zusätzlicher Flachland-Eisenbahnstrecke erforderlich.
Der Streckenast in Ri. Bremen kann (zunächst) eingleisig
ausgelegt werden, da die Fahrzeit für die 40 km lange Strecke nur ca. 12 min
betragen würde. Damit könnten trotz Eingleisigkeit immer noch mindestens 2 Züge je Stunde und Richtung
verkehren. [Zur Zeit verkehrt hier nur alle 2 Stunden ein ICE-Zug ohne
Zwischenhalt je Richtung. Der 2-stündlich wechselnd dazu verkehrende IC-Zug
hält in Nienburg und Verden und könnte somit die NBS nicht nutzen. (Zusammen
bilden ICE und IC zwischen Hannover und Bremen einen Stundentakt.)]
In Abhängigkeit der kapazitativen Erfordernisse (u.a. durch
die absehbare Zunahme des Güterverkehrs zu den Bremer Seehäfen / zum neuen
Tiefseehafen in Wilhelmshaven) könnte jedoch langfristig auch ein zweigleisiger
Ausbau und/oder eine Verlängerung dieses Streckenastes bis auf das Bremer
Stadtgebiet erforderlich werden.
Legt man für den eingleisigen Streckenast nach Bremen die Baukosten
der Weddeler Schleife zugrunde (19 km zweigleisig trassierte, eingleisig
gebaute Verbindungsstrecke zwischen Braunschweig und Wolfsburg mit Baukosten
von 143 Mio EUR), könnten die Baukosten für diesen Abschnitt unter Umständen
sogar bei unter 300 Mio EUR liegen.
|
Alte Planung (BVWP 92 / 2003) |
Neue Planung (Alternative) |
|
92 km
zweigleisiger Neubau Hannover - Lauenbrück + 22 km zweigleisiger
Ausbau Visselhövede - Langwedel einschließlich Elektrifizierung + ggf. weiterer Ausbau zwischen
Bremen und Hamburg |
121 km zweigleisiger Neubau
Hannover - HH-Harburg |
Wie die
Aufstellung zeigt, könnte damit - abgesehen
von den sonstigen Nachteilen - ein Bau
der jetzigen Variante im Vergleich zur beschriebenen Alternativvariante
letztendlich sogar die teurere Lösung sein. [Bzw. würde eine durchgehende
Neubaustrecke Hannover - HH-Harburg aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr
kosten als die Neubaustrecke Hannover - Lauenbrück plus zweigleisiger Ausbau
Visselhövede - Langwedel plus weiterer Ausbau Lauenbrück - HH-Harburg.]
Unabhängig
davon könnte bei beiden Varianten auf den dreigleisigen Ausbau Lüneburg - Stelle
(30 km) verzichtet werden und die dafür vorgesehenen 230 Mio EUR bspw. in den
in obiger Aufstellung nicht enthaltenen Streckenast in Richtung Bremen
investiert werden.
3.2.3 Abschätzung der Wirtschaftlichkeit
Setzt man den
Nutzen (bezüglich des Fahrzeitgewinns im Fernverkehr) einer durchgehenden
Neubaustrecke Hannover - Hamburg/Bremen in Relation zu den Baukosten und
vergleicht das Ergebnis mit den Planungen des BVWP 2003, so ergibt sich
folgendes Bild:
|
|
Nutzen = Fahrzeitgewinn x Zahl der
IC/ICE - Linien |
Aufwand = Baulänge in km zweigleisige
elektrifizierte Neubaustrecke [Kosten] |
spezif. Nutzen = Nutzen : Aufwand1 in rel. Einheiten x 10 |
|
|
|
|
|
|
NBS Hannover - HH-Harburg, 1. Baustufe |
25 min für 2 Linien |
121 km [1,50 Mrd EUR] |
4,13 |
|
NBS Hannover - HH-Harburg, 1. und 2. Baustufe |
25 min für 2 Linien + 15 min für 0,5 Linien |
151 km2 [1,88 Mrd EUR] |
3,81 |
|
|
|
|
|
|
NBS Hannover - Hamburg/Bremen, BVWP 2003 |
15 min für 2 Linien + 10 min für 0,5 Linien |
92 km + 11 km3 [1,28 Mrd EUR] |
3,40 |
1 keine Nutzen/Kosten - Faktoren; die
Zahlenwerte ermöglichen nur ein Vergleich der Projekte untereinander
2 Die 35-40 km eingleisige Neubaustrecke vom Bauaufwand
(konservativ) als 30 km zweigleisige Neubaustrecke gerechnet
3 Die 22 km zweigleisiger Ausbaustrecke
(vorher nicht elektrifizierte eingleisige Strecke) entsprechend den
nachfolgenden Kostenschätzungen vom Bauaufwand als 11 km Neubaustrecke gerechnet
Legt man
als Vergleichsmaßstab z.B. folgende Baukosten zugrunde: 2,74 Mrd EUR für die
242 km + 18 km lange ABS/NBS Hannover - B.-Spandau [ca. 154 km NBS à ca. 13 Mio
EUR / km + ca. 106 km ABS à ca. 7 Mio EUR / km] bzw. 370 Mio EUR für den 23 Km
langen Abschnitt der Neubaustrecke Leipzig - Erfurt [16 Mio EUR / Km] bzw. 1,0
Mrd EUR für die 104 Km lange Ausbaustrecke Bebra - Erfurt [9,6 Mio EUR / Km]
bzw. 1,21 Mrd EUR für die 163 km lange Ausbaustrecke Helmstedt - Magdeburg -
Berlin [7,4 Mio EUR / km], so würden sich für die Variante des BVWP Kosten von
1,27 - 1,58 Mrd EUR, für die Alternativlösung Kosten von 1,57 - 1,94 bzw. 1,96
- 2,42 Mrd EUR ergeben.
Setzt man den Nutzen des Streckenastes in Richtung Bremen mit dem Reisendenäquivalent von 1 ICE - Linie an, so ergibt sich folgendes Bild
Wie die
Tabelle zeigt, erreichen sämtliche Varianten der Alternativlösung nicht nur
einen höheren absoluten Nutzen (Fahrzeitgewinn), sondern auch einen höheren spezifischen
Nutzen (Fahrzeitgewinn / Investitionsaufwand) als die Variante des BVWP.
Berücksichtigt
man darüber hinaus, dass nur durch Bau einer durchgehenden Neubaustrecke
Hannover - Hamburg-Harburg eine wirksame Entlastung des bestehenden Streckennetzes
erreicht werden kann, so dürfte der Nutzen der Alternativlösung in jedem Falle
höher sein als der Nutzen der Variante des BVWP.
3.2.4
Streckenführung der
Alternativlösung
Die Trasse
folgt von Hannover-Isernhagen bis Hamburg-Harburg bzw. Langwedel (- Bremen)
weitgehend dem Verlauf der Autobahnen A 7 / A 27. Am Autobahndreieck Walsrode
(km 35) verzweigt sich die Strecke in einen Hamburger und einen Bremer Ast.
Der
Hamburger Ast erreicht bei km 120 das Hamburger Stadtgebiet und fädelt kurz vor
Erreichen des Bahnhofs Hamburg-Harburg bei km 121 in die bestehende Strecke
Hannover - Hamburg ein (bzw. nutzt die in diesem Abschnitt aufgelassene Trasse
der Strecke Bremen - Hamburg bis Harburg). Zusätzlich kann bei km 65
Verknüpfung mit der Strecke Bremen - Soltau - Uelzen (Herstellen der
Fahrbeziehung Hamburg - Soltau) und bei km 110 mit einer Güterzugstrecke in
Richtung Güterbahnhof Maschen erfolgen.
Der Bremer
Ast erreicht vor (bei km 70´ = km 35´ ab Abzweig) bzw. in Langwedel (bei km 75´
= km 40´ ab Abzweig) die Strecke Hannover - Bremen. Zuvor kann (bei km 43´)
Verknüpfung mit der Nebenstrecke Hannover - Walsrode erfolgen.
Im
Gegensatz zur ursprünglichen Variante 3 des Raumordnungsverfahrens, die eine
Anbindung bei Strecke zwischen Winsen und Ashausen an die Altstrecke Hannover -
Hamburg vorsah, kann und sollte die Strecke tatsächlich entlang der A 7 / A 1
bis Hamburg-Harburg geführt werden, um die Vorteile der eigenständigen Trassenführung
voll nutzen zu können und kapazitative Engpässe zwischen Winsen und Harburg zu
vermeiden. Die eigenständige Trassenführung bis HH-Harburg ist nach Beurteilung
mittels Topographischer Karten sowie „Google Earth“ möglich. [Kartenteil]
Im gesamten
Streckenverlauf ist bei Verwendung eines Mindestradius von ca. 4 000 m
größtenteils ist eine Bündelung mit bestehenden Verkehrswegen möglich. Soll die
Strecke zusätzlich für den Güterverkehr ausgelegt werden, wäre bei einem
Mindestradius von > ca. 5 000 m auf einigen Abschnitten eine gewisse
Abweichung vom Verlauf der Autobahn notwendig. Zu Bedenken ist hier jedoch,
dass die Variante des BVWP über ca. 30 km in völlig freier Trassierung
verlaufen würde, dass bei Bau jeder neuen Autobahn in keinem Fall eine
Bündelung mit vorhandenen Trassen möglich ist und dass die Zerschneidungswirkung
einer Autobahn ungleich größer als die einer Eisenbahnstrecke ist. Vielleicht
könnte daher aus diesen Überlegungen heraus die Strecke südl. von Hamburg auch
abkürzend und mit größerem Mindestkurvenradius über ca. 25 km in freier
Trassierung geführt werden.
Im Raum
Hannover ist ebenfalls eine Trassenvariante mit einem direkteren
Streckenverlauf denkbar. Die Trasse beginnt in diesem Fall in
Hannover-Vinnhorst und folgt anfänglich der BAB 352. Die Vorteile dieser
Variante liegen in einer nochmals um ca. 5 km kürzeren Entfernung Hannover -
Hamburg/Bremen und damit einer (nochmals) ca. 1 - 2 min kürzeren Fahrzeit.
Außerdem wird eine bessere Entflechtung von Nah- und Fernverkehr im Raum
Hannover erreicht. Nachteilig ist, dass auf eine Bündelung mit der Autobahn
über ca. 15 km verzichtet werden müsste. Abhilfe könnte jedoch eine teilweise
Führung der Strecke im Tunnel schaffen.
Statt der
oben beschriebenen Verknüpfungen können ggf. auch Haltepunkte zur Bedienung des
örtlichen Verkehrsaufkommens bei Fallingbostel, Soltau und ggf. Bispingen
direkt an der Neubaustrecke angelegt werden. (Möglichkeit der Einrichtung eines
schnellen Nahverkehrs ähnlich wie zwischen Nürnberg und Ingolstadt über die
dortige Neubaustrecke.)
3.2.5
Zusammenfassung
Die
bisherige Konzeption der Neubaustrecke Hannover - Hamburg/Bremen mit Einbindung
60 km vor Hamburg in die Strecke Bremen - Hamburg ist keine zukunftsweisende
Lösung zum Ausbau des Streckennetzes der Eisenbahn zwischen Hannover, Hamburg
und Bremen, da sie nur zu einer Verlagerung des Kapazitätsengpasses von der
Strecke Hannover - Hamburg auf die Strecke Bremen - Hamburg führen würde. Unter
Umständen würde es bei Verwirklichung dieser Planung sogar zu einer
Verschärfung der Problematik kommen, da der zuvor auf 2 Strecken verteilte
ICE-Verkehr von und nach Hamburg dann auf nur noch 1 Strecke konzentriert würde
– zusätzlich zum dort ebenfalls vorhandenen Regional- und Güterverkehr.
Stattdessen
sollte eine NBS Hannover - Hamburg/Bremen direkt bis Hamburg-Harburg geführt
werden. Durch die durchgehend bis Hamburg vom vorhandenen Streckennetz
unabhängige Trassenführung würde so eine tatsächliche Kapazitätsausweitung
erreicht.
Darüber
hinaus sind durch die kürzere Streckenführung, die Umfahrung ungünstig
trassierter Altstreckenabschnitte und die Schaffung einer Netzstruktur mit
längeren durchgehenden Schnellfahrabschnitten deutlich kürzere Fahrzeiten
zwischen Hannover und Hamburg möglich als bei der bisherigen Konzeption.
Im
Vergleich zur bisherigen Planung ist in einer ersten Baustufe nur der Bau von
knapp 30 km zusätzlicher Flachlandeisenbahnstrecke notwendig. In einer zweiten
Stufe ist durch Bau von weiteren 35 km Strecke die Anbindung von Bremen
möglich. Da diese ebenfalls im Flachland und ggf. eingleisig gebaut werden
kann, liegen die Kosten für diesen Abschnitt ebenfalls in einem vertretbaren
Rahmen. Damit sind bei beiden Varianten die Mehrkosten von ca. 0,2 Mrd EUR (1.
Baustufe) bzw. 0,6 Mrd EUR (1. und 2. Baustufe) gegenüber der ursprünglichen
Planung als maßvoll zu bezeichnen. Der zusätzliche Nutzen liegt dabei in beiden
Fällen deutlich über den zusätzlichen Kosten. Verzichtet man auf den
3-gleisigen Ausbau der Altstrecke Lüneburg - Stelle (0,2 Mrd EUR) als
vermeidbare Doppelinvestition, so ist die Alternativlösung in der ersten
Baustufe nicht teurer als die Planungen des BVWP. Selbst einschließlich
des Streckenastes in Richtung Bremen hätte die hier vorgeschlagene Konzeption
„nur“ Mehrkosten von ca. 0,3 - 0,4 Mrd EUR zur Folge.
Da
Eisenbahnstrecken nur alle 50 - 100 Jahre gebaut werden und die Lage der
Strecken später nicht mehr korrigiert werden kann, sind diese Mehraufwendungen
(im Gegenwert von ca. 1 Monat Kohlesubvention) gegenüber der
ursprünglichen Planung nicht nur vertretbar, sondern erscheinen im Sinne einer
langfristig guten Konzeption des Streckennetzes der Bahn zwischen Hannover,
Hamburg und Bremen auch geboten.
3.3 Anmerkungen
Übersicht Neubaustrecke Hannover - Hamburg/Bremen
Nebenbemerkung zur Trassenführung
Denkbare Angebotsverbesserungen im Regionalverkehr im Raum Walsrode /
Fallingbostel / Soltau
Fahrzeiten im Regionalverkehr vor und nach Verwirklichung einer Neubaustrecke
Fahrzeiten im Fernverkehr vor und nach Verwirklichung einer Neubaustrecke
Denkbare Belegung eines eingleisigen Neubaustreckenastes in Richtung
Bremen
Energieverbrauch im Zugverkehr am Beispiel der Strecke Hannover - Hamburg
3.4 Weitere Skizzen
Detailskizze: Vergleich Variante BVWP 2003 | durchgehende Neubaustrecke
Skizze Neubaustrecke Hannover - Hamburg/Bremen [kommentiert]
3.5 Karten
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 | als Panorama
[Studienskizzen
zur Abschätzung des Trassenverlaufs, verwendeter Mindestradius = ca. 4 000 m]
3.6
BVWP 2003 [BMVBW]
ABS/NBS Hamburg/Bremen - Hannover
3.7 Zum
Vergleich:
3.8 Einzel-Downloads
"Plädoyer für eine
Neukonzeption der Neubaustrecke Hannover - Hamburg/Bremen" [PDF-Datei]
|
1. Strecke Frankfurt -
Kassel/Erfurt 2. Strecke Frankfurt -
Mannheim |
5. Strecke Hannover - Bielefeld |
10. Nahverkehrs- und Nebenstrecken 11. Neubaustrecke Hannover - Würzburg |