|
Stuttgart
21, Neubaustrecke Stuttgart - Ulm |
Statt in Stuttgart 21 sollte besser
in eine Verlängerung der Neubaustrecke Stuttgart - Ulm bis Augsburg oder in
eine Güterverkehrstauglichkeit der Neubaustrecke investiert werden. [Einsatz
eines Teils der bei Verzicht auf Stuttgart 21 einsparbaren Mittel zur
Fortsetzung der NBS Esslingen - Ulm bis Augsburg in Bündelung mit der Autobahn
A 8.]
Ggf. auch völlige Neukonzeption
des Projekts, so dass die Strecke auch durch den Güterverkehr genutzt werden
kann. [Etwa durch 4-gleisigen Aus- / Neubau der bestehenden Strecke z.B. mit
1,25 % Aufstiegstunnel Süßen - Weiterstetten und Verknüpfungen zur
Bestandsstrecke, wie es in ähnlicher Form bereits vor über 20 Jahren von der
Bundesbahn geplant worden war.]
1.1 Ziele
·
Verkürzung der Fahrzeit zwischen Stuttgart und Augsburg (München)
um ca. 40-45 min von heute 1 h 35 min auf zukünftig ca. 50-55 min
·
Verkürzung der Entfernung zwischen Stuttgart und Augsburg
(München) um ca. 25 km von heute 180 km auf zukünftig ca. 155 km
·
Erhöhung der Strecken- und Netzkapazität auf der Achse Stuttgart
- Augsburg - München [durchgehend 4 Gleise zwischen Stuttgart und Augsburg
(München)]
·
Auf wichtigen Verbindungen Erzielung deutlich höhere
Fahrzeitverkürzungen als bei Verwirklichung von Stuttgart 21
·
Ggf. Konzeption der Strecke als Mischbetriebsstrecke zur
zusätzlichen Benutzbarkeit durch den Güterverkehr
·
Hohe Kosteneinsparungen gegenüber den Planungen des BVWP
durch Verzicht auf Stuttgart 21
1.2 Skizze

Die farbigen Linien stellen die Planungen des
BVWP 92 dar; die eingezeichnete gestrichelte Linie die Alternativplanung Zeichenerklärung
1.3
Tabellen
|
Alternative |
heute |
zukünftig |
Verkürzung |
|
Fahrzeit
Stuttgart - Augsburg |
95 min |
54 min |
41 min
(43 %) |
|
Fahrzeit
Stuttgart - München |
2 h 10
min |
1 h 25
min |
45 min
(35 %) |
|
Entfernung
Stuttgart - Augsburg |
180 km |
155 km |
25 km
(14 %) |
|
BVWP |
heute |
zukünftig |
Verkürzung |
|
Fahrzeit Stuttgart -
Augsburg |
95 min |
63 min |
32 min (34 %) |
|
Fahrzeit
Stuttgart - München |
2 h 10
min |
1 h 35
min |
35 min
(27 %) |
|
Entfernung
Stuttgart - Augsburg |
180 km |
168 km |
12
km (7 %) |
2. Ausführliche Beschreibungen
2.1 Stuttgart 21
Stuttgart 21 ist teuer und
unsinnig. Was bringt ein tiefgaragenartiger Bahnhof für vielleicht 5 Mrd EUR
denn für Vorteile? Im Grunde genommen keine. Moderne Züge können aufgrund ihrer
Zweirichtungstauglichkeit problemlos und ohne Zeitverluste in Kopfbahnhöfen
wenden. Und eine Kapazitätsausweitung oder Fahrzeitverkürzung ergibt sich bei
Bau von Stuttgart 21 auch nicht. Eher ist sogar das Gegenteil der Fall.
Ausreichend erscheint daher der Beginn einer Neubaustrecke Stuttgart - Ulm in
Esslingen-Mettingen (km 11,0 ab Stuttgart-Hbf; siehe hier), welches bereits heute in ca. 8 min von
Stuttgart-Hbf erreicht wird. Würde zusätzlich die Strecke Stuttgart - Esslingen
noch weiter ausgebaut (4-gleisiger
Ausbau für vmax. = 160 km/h), so dürfte der effektive Fahrzeitgewinn des
Projektes Stuttgart 21 für Reisende in Richtung Ulm gegen Null tendieren. (Der
sich für den Reisenden aufgrund des umständlicheren Zugangs zum Bahnhof
(Treppen, Aufzüge etc.) u.U. sogar in einen Verlust umkehren könnte.) Für
Reisende etwa in Richtung Nürnberg dürfte sich in jedem Fall ein
Fahrzeitverlust ergeben, da die Strecke in Richtung Nürnberg nicht mehr direkt
an den Hauptbahnhof angeschlossen wäre.
Würde darüber hinaus im Zuge des
Projekts Stuttgart 21 auch noch ein Umweg über den Stuttgarter Flughafen
beschrieben - wie es zur Zeit geplant ist -, so dürfte sich im Vergleich zu
einer erst in Esslingen beginnenden Neubaustrecke sogar eine Fahrzeitverlängerung
ergeben. Die Gesamt-Streckenlänge Stuttgart - Ulm wäre in diesem Fall ebenfalls
größer als bei einer in Esslingen beginnenden Neubaustrecke.
Statt in Stuttgart 21 sollte daher
besser in eine Fortsetzung der Neubaustrecke Stuttgart - Ulm bis Augsburg, in
eine Güterverkehrstauglichkeit der Neubaustrecke (oder in andere Projekte)
investiert werden. Dadurch wäre zwischen Stuttgart und Augsburg (- München) ein
zusätzlicher Fahrzeitgewinn von ca. 15 - 20 Minuten möglich. Außerdem würde
sich so eine wirksamere Ausweitung der Kapazität des Streckennetzes ergeben als
bei Stuttgart 21 ergeben, da dann durchgehend 4 Gleise zwischen Stuttgart und
Augsburg zur Verfügung stehen würden. Darüber hinaus käme es so zu einer
Verkürzung der Strecke um weitere ca. 15 km. [Was immer auch eine
Effizienzsteigerung im Zugbetrieb mit sich bringt, mit Einsparen an Energie,
Verschleiß an Strecke und Zugmaterial etc.]
Von ebenso fraglichem Nutzen wie Stuttgart 21 ist eine
Anbindung des Stuttgarter Flughafens; und zwar nicht nur aus Sicht der
"Nur-Bahn-Reisenden" [Fahrzeitverlängerung], sondern auch aus Sicht
von mit der Bahn anreisenden Fluggästen.
Was nützt es Fluggästen, wenn Züge
etwa der ICE-Linien Hamburg - Frankfurt - Mannheim - Stuttgart - Augsburg -
München oder Köln - Wiesbaden - Mainz - Mannheim - Stuttgart - Augsburg -
München zukünftig auch noch an einem Regionalflughafen bei Stuttgart halten?
Flugreisende, die in Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Mannheim, Heidelberg oder
Darmstadt wohnen, werden sicherlich auch weiterhin so gut wie ausschließlich
den Frankfurter Flughafen nutzen, da dieser näher ist und das bessere Angebot
hat. Ebenso Fluggäste aus München (und Augsburg), denn wieso soll man von
München zu einem Flughafen bis nach Stuttgart fahren, wenn man zu Hause auch
einen (und sogar einen größeren) hat?
Und selbst (Flug-)reisende aus
Stuttgart und Umgebung würden wohl kaum erst mit der S-Bahn zum Stuttgarter
Hbf. und dann von dort mit einem ICE
weiter bis zum Flughafen fahren anstatt gleich direkt mit der S-Bahn dorthin.
So können zum Beispiel Reisende von ca. 30 S-Bahn-Stationen im Raum Stuttgart
(z.B. "Stadtmitte", "Universität",
"Schwabstraße", "Bad-Cannstatt", "Waiblingen",
"Vaihingen" etc.) bereits heute bequem und ohne umzusteigen direkt
mit der S-Bahn bis zum Flughafen fahren. [Fahrzeit Stuttgart-Hbf. - Stuttgart
Flughafen = 27 min.]
Auch für Reisende, die heute 1x
von Stadtbahn oder S-Bahn zur S-Bahn umsteigen müssen, um zum Flughafen zu
kommen, bietet sich zur Weiterfahrt für das kurze Stück zum Flughafen eher die
häufiger verkehrende S-Bahn an als ein nur unregelmäßig verkehrender Fernzug.
Besser wäre es daher - statt einen
aufwendigen Flughafen-Fernbahnhof zu bauen - , S-Bahnlinien, die heute noch
nicht bis zum Stuttgarter Flughafen führen, zukünftig bis dorthin zu
verlängern. Zum einen würden dadurch mehr umsteigefreie Direktverbindungen zum
Stuttgarter Flughafen geschaffen, zum anderen könnte man so einen durchgehenden
10 min - Takt von der Stuttgarter Innenstadt bis zum Stuttgarter Flughafen
anbieten. (Etwa mit einer Durchbindung der heute in der Stuttgarter Innenstadt
endenden S-Bahnlinie Bietigheim - Ludwigsburg - Kornwestheim - Zuffenhausen -
Feuerbach - Hauptbahnhof - Stadtmitte - Schwabstraße bis zum Stuttgarter
Flughafen. Siehe hierzu auch das Liniennetz der S-Bahn im Raum Stuttgart, etwa
im Kursbuch der DB.)
Ebenfalls besser wäre es, ggf.
zusätzlich noch eine Stadtbahnlinie (bspw. die U 5) bis zum Flughafen zu
verlängern.
2.3 Strecke Stuttgart - Ulm -
Augsburg
Die Strecke Stuttgart - Augsburg
(München) weist sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr ein hohes
Verkehrsaufkommen auf. Sie verbindet den Raum München / Bayern mit
Baden-Württemberg, dem Rhein-/Neckar- und Rhein-/Maingebiet und darüber hinaus
dem Rheinland/Ruhrgebiet. Im europäischen Maßstab ist sie Bindeglied zwischen
Österreich / Südosteuropa und Nord-Frankreich / den Benelux-Staaten. Im
Fernverkehr spiegelt sich das in der Einbindung in folgende IC/ICE-Linien
wieder (z. Zt. ca. 2 Züge pro Stunde und Richtung):
1. Dortmund -
Essen - Düsseldorf - Köln - Mainz - Mannheim - Stuttgart - Augsburg - München
2. Berlin -
Göttingen - Kassel - Frankfurt - Mannheim - Stuttgart - Augsburg - München
Zur Zeit beträgt die Fahrzeit für die
180 km lange Strecke Stuttgart - Augsburg ca. 1 h 35 min, was einer
Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 115 km/h entspricht.
2.4 Die bisherige Planung im Vergleich zu denkbaren weitergehenden
Ausbaumaßnahmen
Der BVWP 92 sieht zwischen
Stuttgart und Ulm den Bau einer 80 km langen Neubaustrecke sowie zwischen Ulm
und Augsburg einen Ausbau der bestehenden Bahnstrecke mit einer teilw. Erhöhung
der Streckengeschwindigkeit vor. Desweiteren ist die Umwandlung des Stuttgarter
Kopfbahnhofs in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof geplant (Stuttgart 21).
Der erreichbare Fahrzeitgewinn zwischen Stuttgart und Augsburg beträgt ca. 30 -
35 min.
Diese Planung erscheint an sich
richtig, insbesondere das Projekt eines Streckenneubaus zwischen Stuttgart und
Ulm. Dieser läßt bei einer Streckenverkürzung von ca. 12 km einen
Fahrzeitgewinn von ca. 25 min zu. [Fahrzeit Stuttgart - Ulm = zukünftig ca. 30
min statt ca. 55 min heute.]
Zweckmäßig könnte darüber hinaus
eine zusätzliche Güterverkehrstauglichkeit der Neubaustrecke sein (max. Neigung
= ca. 1,25 %, eingleisige Tunnel), um die sogenannte „Geislinger Steige“ im
Güterverkehr umfahren zu können.
Wenig sinnvoll erscheint hingegen
wie oben bereits beschrieben das Projekt "Stuttgart 21", da es nur zu
vergleichsweise geringen Fahrzeitgewinnen führt. Statt in Stuttgart 21 könnte
daher bspw. besser in eine Fortsetzung der Neubaustrecke über Ulm hinaus
investiert werden. Bei insgesamt geringeren Kosten ließe ein durchgehender
Streckenneubau zwischen Stuttgart und Augsburg einen zusätzlichen
Fahrzeitgewinn von ca. 15 min zu. Insgesamt wäre dann bei einer
Streckenverkürzung um ca. 25 km ein Fahrzeitgewinn von ca. 40 - 45 min zwischen
Stuttgart und München möglich.
Für sich betrachtet ließe sich mit
einer 64 km langen Neubaustrecke zwischen Ulm/Neu-Ulm und Augsburg bei einer
Streckenverkürzung um 13 km (Streckenlänge zukünftig = 73 km statt heute 86 km)
ein Fahrzeitgewinn von ca. 15 min erreichen (Fahrzeit zukünftig = 24 min statt
heute 39 min). Daneben bietet der Bau einer bis Augsburg reichenden
Neubaustrecke auch dem Regional- und Güterverkehr Vorteile, da so durchgehend 4
Gleise zwischen Stuttgart und Augsburg zur Verfügung stehen würden.
2.5 Abschätzung der Wirtschaftlichkeit
Eine überschlagsmäßige
(vergleichende) Abschätzung der Wirtschaftlichkeit bezügl. des Fahrzeitgewinns
im Fernverkehr zeigt, daß der Bau einer durchgehenden Neubaustrecke zwischen
Stuttgart und Augsburg ein deutlich höheres
"Nutzen-Aufwands-Verhältnis" erreicht als Varianten, die Stuttgart 21
einschließen.
|
Strecke |
Nutzen = Fahrzeitgewinn |
Aufwand = Baukosten [Mio EUR] |
spezif. Nutzen = Nutzen : Aufwand [rel. Einheiten] |
|
NBS Stuttgart - Augsburg |
41 min |
3.500 |
11,7 |
|
NBS/ABS Stuttgart -
Augsburg + Stuttgart 21 (BVWP) |
32 min |
6.000 |
5,3 |
[Für sich allein betrachtet würde - wie bereits beschrieben - eine Neubaustrecke Ulm - Augsburg ein
Fahrzeitgewinn von ca. 15 min ermöglichen. Die Differenz zu den 9 min in der Tabelle
ergeben sich aus der Tatsache, dass bei der Planung des BVWP Stuttgart 21 ca. 1
- 2 min und die Ausbaustrecke Ulm - Augsburg ca. 4 - 5 min Fahrzeitgewinn
ergeben würden.]
3. BVWP
2003 [BMVBW]
ABS Stuttgart - Ulm - Augsburg
Copyright
der verwendeter Karten: Landesvermessungsämter der Bundesländer und
Bundesministerium für Verkehr. Für die Inhalte externer Links sind
selbstverständlich ausschließlich die jeweiligen Verfasser verantwortlich.